Pädagogischer Feierabend an der Fachschule Sancta Maria: Medizinische Therapien bei AD(H)S

08.05.2026 |

Der zweite „Pädagogische Feierabend“ an der Katholischen Fachschule für Sozialpädagogik Sancta Maria in Bruchsal stieß am 6. Mai 2026 auf große Resonanz. Über 40 Teilnehmende aus unterschiedlichsten Bereichen der sozialen und pädagogischen Praxis folgten der Einladung des Fördervereins „Freundeskreis Sancta Maria e. V.“.

  
Neben pädagogischen Fachkräften, Leitungspersonen und Fachberatungen nahmen unter anderem Vertreter*innen aus dem Jugendamt, der Schulgemeinschaft und dem Förderverein teil.
 
Ab 17:30 Uhr kamen die ersten Gäste in entspannter Atmosphäre zusammen: Bei einem Gläschen Sekt und einem liebevoll vorbereiteten Imbiss aus frisch gebackenen Fladenbroten, verschiedenen Dips und Gemüsespezialitäten bot sich Raum für persönliche Begegnungen, erste Gespräche und gemeinsames Ankommen nach dem Arbeitstag.
 
In ihrer Begrüßung hieß Schulleiterin Melanie Biniwersi die Gäste herzlich willkommen und betonte erneut die wertvolle Unterstützung des Fördervereins für die gesamte Schulgemeinschaft. Gleichzeitig unterstrich sie die Bedeutung des pädagogischen Feierabends, der fachlichen Input und persönliche Begegnung miteinander verbindet.
 
Auch die zweite Vorsitzende des Fördervereins, Christa Hofmann, griff diesen Gedanken auf. Der „Pädagogische Feierabend“ solle ein wachsendes Netzwerk für all jene schaffen, die sich der Fachschule Sancta Maria und ihrem Bildungsauftrag verbunden fühlen. So wie Freundschaften gepflegt werden müssten, brauche auch ein lebendiges pädagogisches Netzwerk Räume der Begegnung und des Austauschs. Ziel sei es, Wissen und Erfahrungen zu teilen, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam weiterführende Impulse für die pädagogische Praxis zu gewinnen – bewusst in einer offenen und ungezwungenen Atmosphäre.
 
Im Mittelpunkt des Abends stand das Thema „Medizinische Therapie bei AD(H)S“. Als Referent konnte ein langjähriger Wegbegleiter der Schule, Herr Dr. Bernhard Zehe, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, gewonnen werden. Zu Beginn seines Vortrags machte er deutlich, wie sehr sich der Blick auf AD(H)S in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Während in früheren Jahren Halbwissen und Unsicherheiten dominierten, gebe es heute deutlich mehr wissenschaftliche Erkenntnisse und ein gewachsenes Bewusstsein für die Herausforderungen von AD(H)S und den davon betroffenen Kindern und Familien.
 
Anschaulich brachte Herr Dr. Zehe den anwesenden Zuhörer*innen nahe, was sich hinter dem Begriff der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung verbirgt. Mit praktischen Beispielen aus dem Alltag und Bezügen zu bekannten Figuren wie dem „Zappel-Philipp“, „Dem wütenden Friederich“ und dem „Hanns Guck-in-die-Luft“ aus dem Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann zeigte er auf, dass das Thema AD(H)S keineswegs neu ist.
 
Besonders eindrücklich war sein Blick auf die Potenziale von Menschen mit AD(H)S. Viele Betroffene seien kreative, ideenreiche und außerhalb starrer Bahnen denkende Persönlichkeiten, die gleichzeitig Herausforderungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Aktivitätssteuerung erleben.
Im weiteren Verlauf des sehr lebendigen Vortrages machte Herr Dr. Zehe deutlich, dass moderne AD(H)S-Behandlung weit mehr umfasst als die Gabe von Medikamenten. Entscheidend sei ein multimodaler Ansatz: Psychoedukation, Elterntraining, psychotherapeutische Begleitung, störungsspezifische Funktionsbehandlung wie z. B.  Ergotherapie oder Lerntherapie sowie die Behandlung möglicher Begleiterkrankungen gehören ebenso dazu wie – in einem späteren Schritt – eventuell eine medikamentöse Therapie.
 
Besonders wichtig war Herrn Dr. Zehe die Botschaft, dass Medikamente bei der Therapie mit äußerster Sorgfalt ausgewählt und eingesetzt werden. Ziel der medikamentösen Therapie sei es, die Betroffenen dabei zu unterstützen, trotz ihrer neurobiologischen Besonderheiten die Anforderungen im Alltag, in der Schule oder im Beruf besser bewältigen zu können. Bei passender Einstellung könne in 80-90 Prozent der Fälle eine deutliche Verbesserung der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit erreicht werden.
Besonders bewegend waren in diesem Zusammenhang konkrete Beispiele aus der Praxis. An Schrift- und Rechenbeispielen von Kindern wurde sichtbar, welchen Unterschied ein individuell abgestimmtes Therapiekonzept haben kann.
 
Im anschließenden Austausch entwickelte sich eine intensive Gesprächsrunde, in der zahlreiche Fragen aus der pädagogischen Praxis eingebracht wurden. Hauptthema war sicherlich die Frage, wie die pädagogischen Einrichtungen betroffene Kinder und deren Familien adäquat begleiten und unterstützen können. Gleichsam wurde der Wunsch der anwesenden Fachkräfte deutlich, von den medizinischen Fachstellen noch stärker in ihrer Expertise und Fachlichkeit wahr- und ernstgenommen zu werden.
Der große Applaus am Ende des Vortrags machte deutlich, wie sehr das Thema den Nerv der Zeit getroffen hatte. Durch seinen lebendigen und anschaulichen Vortrag, gepaart mit jahrelanger fachlicher Expertise, ist es Herrn Dr. Zehe gelungen, komplexe medizinische Zusammenhänge verständlich und praxisnah zu vermitteln und somit eine wertvolle Brücke zwischen medizinischem Fachwissen und pädagogischer Praxis zu schlagen.
 
Zum Abschluss dieses gelungenen zweiten „Pädagogischen Feierabends“ ging ein herzlicher Dank an Herrn Dr. Zehe sowie an alle Gäste, die dazu beitragen, diesen neuen Begegnungsraum an der Fachschule lebendig werden zu lassen.
Der Förderverein „Freundeskreis Sancta Maria e. V.“ freut sich bereits jetzt auf die kommenden Veranstaltungen im Spätjahr und spricht dazu eine herzliche Einladung an alle Interessierten aus.
 
Save the date: 
  • 7. Oktober 2026, 17:30 – 20:00 Uhr „Kindliches Verhalten verstehen – Was uns Kinder mit ihrem Verhalten sagen wollen“
  • 5. Dezember 2026, 10:00 – 16:00 Uhr „Weihnachtsspecial in Gengenbach“
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Haben wir Interesse geweckt? Dann melden Sie sich gerne ab sofort bis eine Woche vor Veranstaltungsbeginn unter info@freundeskreis-sanctamaria.de.
 
Katja Köhler